Short Review: Greenberg, Kick-Ass

August 10th, 2010

Greenberg

Einen Status als Charakterdarsteller hat man Ben Stiller wohl auch nicht mehr zugetraut, aber, beim Teutates: den Weirdo Greenberg bringt er absolut glaubhaft. Das muss jeder zugeben, auch wenn man womöglich mit dem Charakter selbst nicht viel anfangen kann. Ich kann, denn in 10 Jahren werde ich wahrscheinlich auch frisch aus der Klapse kommend, an Grübelzwang leidend, Hundehütten bauend, die Welt nach wie vor nicht raffend, von alten Freunden entfremdet, Leute nervend, Nichtstun als Hauptberuf habend (besten Dank auch noch mal an William S. Burroughs), sich fragend, wo das Leben eigentlich hin ist rumlungern, nur eben nicht in L.A., sondern womöglich irgendwo im Ruhrpott. Daher hat mir Greenberg gefallen, auch wenn da plotweise nicht sonderlich viel los ist und er als reine Comedy eigentlich auch nicht funktioniert. Der Film ist kaum pointenorientiert, sondern widmet sich voll seinem irrlichternden Protagonisten, und jenem wird der Normalo nichts abgewinnen können, da er ihm mangels Identifikationsmöglichkeiten ein Enigma bleibt. Will man hier den qualitativen Beklopptenvergleich ansetzen, geht natürlich nach wie vor nichts über meinen Lieblingsgestörten Melvin, aber das ist auch irgendwo unfair, denn gegen Jack Nicholson kann man bekanntermaßen maximal einen Gleichstand erreichen, aber niemals siegen.

Wertung: 7,5 von 10 bands apart

Kick-Ass

Ts ts, kids nowadays in their tights: Kick-Ass gehört, wie mein bisheriger (und immer noch) Jahresfavorit Defendor in die ‘Regular People + Costume Vigilantism’-Kategorie, muss aber einem Vergleich nicht standhalten, da diese Gemeinsamkeit nur vordergründig stattfindet. Kick-Ass ist kurzweilige Äktschn-Comedy und zwar eine nahezu perfekte; optisch überzeugend und mit sehr gut aufgelegtem Cast (unter anderem darf Nic Cage ein ‘Not Batman’-Kostüm tragen und mal wieder alles geben). Darüber hinaus hat man hier ein seltenes Beispiel dafür, wie eine Verfilmung tatsächlich besser sein kann als die Vorlage: Der Film ist ein besserer Comic als der Comic selbst, falls das irgendeinen Sinn ergibt. Nun bin ich bestimmt kein Comic-Superexperte, aber den optischen und narrativen Besonderheiten, sowie dem Variantenreichtum des Mediums bin ich mir durchaus bewusst. Trotz der guten Ansätze, was Storyidee, Selbstreferentialität und ironische Metafiktion betrifft, sehe ich bei der Vorlage gravierende Mängel, die statt Vergnügen eher Stirnrunzeln hervorrufen. Da wird an den falschen Stellen übertrieben, statt auf Figuren mehr auf Gore Wert gelegt und generell weit über’s satirische Ziel hinausgeschossen.*

Der Vergleich offenbart einen hochinteressanten Fall für’s Lehrbuch: Die Verfilmung bügelt unter Intaktlassung der guten Ideen all die Schwächen glatt, baut die Charaktere sinnvoll aus, fügt dringend benötigten Humor hinzu, entlangweilt die Äktschnparts und nutzt an entscheidenden Stellen Comicästhetik weit besser als das Original. Hier zahlt sich aus, dass Regisseur Matthew Vaughn die Stilmittel beider Medien nicht nur kapiert hat, sondern auch synergetisch einzusetzen weiß. Das hört beim Soundtrack nicht auf: The Prodigys ‘Stand Up’ scheint nur auf diesen Film gewartet zu haben. Völlig zu Recht werden dem Mann in Zukunft weitere Comicverfilmungen anvertraut werden.

Wertung: 9 von 10 wet suit crusaders

*Zum Vergleich: Ich bin z.B. begeisterter Leser von The Walking Dead, der zur Zeit von (glücklicherweise) AMC als Miniserie umgesetzt wird und als Äktschn-Comic alles richtig macht.

Kickin’ it delightfully old school: Jane Austen’s Fight Club

Juli 25th, 2010

No corsets, no hatpins, no crying.

Short Review: Date Night, I Love You Phillip Morris

Juli 24th, 2010

Date Night

Klassische Crime-Verwechslungscomedy, die mich irgendwie an die 90er erinnert, frag mich bloß niemand, wieso. Man hat hier zwei genuin lustige Menschen zur Verfügung, die nun mal mit dem vorhandenen Witzpotential zu arbeiten haben, welches sich, bis auf die üblichen zwei bis drei wirklich witzigen Szenen (”Our good friend Sam.I.Am”) mal wieder auf knapp über Mittelmaß bewegt. Daher kann man insgesamt wieder nur sagen: Flott und ausreichend amüsant, aber nichts, was im Brief nach Hause erwähnt werden muss.

Wertung: 6,5 von 10 computer sticky things

I Love You Phillip Morris

Jim Carrey zeigt ja ab und an gerne mal, dass er wirklich was kann. Dann kommt hierzulande die Übersetzungsmaschine und stampft ein und tötet und vernichtet mit dem immer gleichen Huhaha-Blödsprech-Deppenton jegliche Nuance, zu welcher der Mann fähig ist. Gut, ist im Grunde immer so, und schon lange nicht mehr mein Problem, aber der Gedanke kam mir wieder mal, als ich ihm hochamüsiert beim Hochstapeln, Knastausbrechen und Ewan McGregor lieben zugesehen habe. Letzter ist in dieser feinen Tragikomödie ebenfalls wieder großartig und zwischen den beiden herrscht tatsächlich eine sehr niedliche, glaubhafte Schemie. Davon abgesehen bietet I Love You Phillip Morris auch noch durchweg funktionierenden Witz. Das erzeugt einen fast schon brutalen Stimmungsumschwung, wenn es zum Ende dann extra bitter wird. Aber so ist das nun mal mit Geschichten ‘based on facts’.

Wertung: 8 von 10 wieners in the sky

Kulturecke (98)

Juli 22nd, 2010

The Drums: Let’s Go Surfing (The Raveonettes Remix)

Chapel Club: The Shore

Tricky: Murder Weapon
(Mixed Race, 2010)

Tokyo Police Club: Wait Up
(Champ, 2010)

Interpol: Barricade
(Interpol, 2010)

Short Review: Repo Men, Hot Tub Time Machine

Juli 18th, 2010

Repo Men

Nette Idee: Künstliche Organe als reclaimbares Gut bei Zahlungsverzug, Organentnahme erfolgt durch schnetzelkompetente Konzernbeauftragte vor Ort. Leider wird der existierende Zwergplot hier in die Länge gezogen wie kanadischer Weizen, ohne dabei wirklich neues zu bieten. Die Darsteller sind gut, und es gibt ein paar fetzende Szenen (was hier durchaus wörtlich zu nehmen ist), aber im Grunde hat man das alles schon gesehen (auch besser). Das Ende hat mich dann wirklich positiv überrascht, womit ich vermutlich wieder einsam dastehe, aber ich bin bereit, diese Ansicht zu verteidigen, denn in den letzten 25 Minuten bekommt der Film dann wirklich Klöten, sprüht mit Blut, schräger Ästhetik und transhumanistischer Weirdness um sich, um dann dystopisch-schlüssig zu enden. Warum nicht gleich so. (Außerdem gibt’s da eine schöne Flurszene, die mich an die Flurszene in Oldboy erinnert hat, der Übermutter aller Flurszenen.)

Wertung: 6,5 von 10 pink doors

Hot Tub Time Machine

Gute Zeiten für Vergangenheitsfreunde wie mich: Hot Tub Time Machine schöpft seine Qualität großteilig aus der liebevollen Ausstaffierung mit 80er-Kram und Genreparodistik. Dabei geht es eher bedenklich los, denn wenn im ersten Akt schon fast sämtliche Körperflüssigkeiten zum Gageinsatz kommen, bin ich in der Regel schon mal gleich bedient. So einige Derbheiten gibt es dann auch weiterhin, aber es bleibt erträglich. Dabei hätte der Film das gar nicht nötig: Das Timing passt, die Dialoge sind lustig genug, die popkulturellen Veralberungen (Red Dawn!) funktionieren bestens und die allgemeine Time Travel-Situationskomik ist stimmig (z.B. fantastischer Running Gag mit einem zukünftigen Einarmigen). Auf’s Raum-Zeit-Kontinuum wird ansonsten komplett gepfiffen, aber erstens gehört das zum Comedy-Konzept, und zweitens ist das der Thematik, wie ich schon mal dargelegt habe, zwangsläufig immanent; in die Richtung zu mäkeln wäre folglich besonders anal-retentiv-idiotisch.

Wertung: 7,5 von 10 leg warmers