Archive for Februar, 2010

Short Review: Legion, Ninja Assassin

Samstag, Februar 27th, 2010

Legion

Selig sind, die da arm sind im Geiste. Das gilt nicht nur für die Nasen, die hier bedenklicherweise für das Fortbestehen der Menschheit gecastet werden, sondern auch für den Konsumenten, der sich diesem konfusen Sakralblödfug ausgesetzt sieht. Aber auch der einfältigste Kesselflicker wird raffen, dass hier schamlos von Terminator geklaut wird (Skynet = Gott), und zwar schlecht. Es darf ja von mir aus gerne auch mal zünftig offgerippt werden, aber dann doch bitte mit einem Anflug von Stil.

Ach ja: ein halbwegs nachvollziehbarer Plot wäre auch schön gewesen. Klar, sobald es um Gott und Engel und Apokalypse und Erlöserkram und so geht, stellt die Logik automatisch schon mal einen Ausreiseantrag, being religious ‘n shit, aber dass hier absolut nichts eine Spur von Sinn ergibt, muss ja wohl nicht sein. Will man irgendetwas am Film loben, dann wären da lediglich ein paar hübsche Wüstenaufnahmen und der hier leider verschwendete Paul Bettany zu nennen, der auch als Himmelsgeflügel beim Austeilen mal wieder eine gute Figur macht. Nur bei ihm glaube ich auch total dran, dass er sich offenbar schallplattengroße Rückenwunden einhändig selbst zunähen kann.

Hilft aber alles nix, denn ansonsten herrscht Totalausfall: Szenen, die gar schröcklich intendiert waren, wirken unfreiwillig komisch (Spider-Granny, Spider-Granny …), nahezu alle Bildmotive sind schon mal irgendwo gesehen worden, und abseits der Äktschn erzählen lahme Charaktere, von denen man weiß, dass sie die nächsten Minuten eh nicht überleben werden, langweiligen Kram aus ihrem uninteressanten Leben oder interagieren auf stupidest mögliche Weise um die Laufzeit voll zu bekommen. Terminator in dumm und langweilig, dachtet ihr echt, das sei eine gute Idee?

Wertung: 3 von 10 motherfucking pestilences

Ninja Assassin

Zunächst mal: Gratulation, dass man für diese Produktion tatsächlich einen echten Asiaten für die Asiatenhauptrolle engagiert hat. Ja, ihr staunt jetzt vielleicht, aber das ist keine Selbsverständlichkeit (siehe diverse Schrottfilme). Leider ist Ninja Assassin ansonsten aber ein Fall von verpasster Gelegenheit. Dass auf Handlung und Originalität weitgehend verzichtet wird, verzeihe ich ja noch, denn immerhin wird sich redlich bemüht, vergleichsweise viel character arc einzubauen, was im Rahmen auch gelingt. Weiterhin ist die Äktschn schön martialisch und grundsätzlich fein inszeniert. Das hier ausgiebig herumspritzende CG-Blut sieht zwar nach wie vor goofy aus, aber immerhin nicht so beknackt wie in Blood: The Last Vampire, aber das war auch schon der Gipfel der Beknacktheit und eine Steigerung wäre ein extraordinäres Kunststück gewesen.

Was aber wirklich stört, ist mal wieder die mangelhafte Äktschn-Ausleuchtung in Tateinheit mit Wackeloptik. Ja, gut, Mad Ninja Shadow Sneaking Skills und so, seh ich ja auch ein. Aber was nützt das schönste Geschnetzel, wenn es im Dunkeln stattfindet und man keinen Plan hat, was zur heiligen Knastdehnung da eigentlich abgeht? Show, don’t deut an! Gut, es ist nicht bei allen Szenen der Fall, aber auch die Hälfte genügt, um zu nerven. Für den kleinen Metzelbedarf reicht’s aber insgesamt aus.

Wertung: 6 von 10 rote Currywürste

Kulturecke (90)

Mittwoch, Februar 24th, 2010

Vampire Weekend: Giving Up The Gun
(Contra, 2010)

Caribou: Odessa
(Swim, 2010)

Noisia: Machine Gun
(Split The Atom, 2010)

Gorillaz: Stylo (Tenkah Remix)

Short Review: Los Abrazos Rotos (Zerrissene Umarmungen); New York, I Love You

Sonntag, Februar 14th, 2010

Los Abrazos Rotos (Zerrissene Umarmungen)

Filme von Pedro Almodovar sind immer etwas, nun ja: speziell. Ich verstehe auch, wenn man nur schwerlich Zugang zu seinem Werk findet. Ich aber weiß einen Almodovar üblicherweise  zu schätzen. Seine eigenwillige Ästhetik hinterlässt immer wieder aufs Neue bleibende Eindrücke, es gibt mehr oder weniger versteckte kleine Seltsamkeiten und oft surreale und skurrile Elemente. Nicht zu vergessen tolle Dialoge wie dieser hier (wer die Quelle weiß, gewinnt einen Preis):

Aber wieder ernst jetzt: “Desire is the theme of all life!” versicherte der große Charles Chaplin einst in Limelight einer lebensmüden jungen Ballerina, und dieser essentiellen Tatsache geht auch Pedro Almodovar seit den siebziger Jahren zitatenreich und farbenfreudig nach. Meist sind es verschiedenste Frauenfiguren, die er mit Expression und Humor in den Vordergrund stellt und das ist auch in Los Abrazos Rotos wieder der Fall, auch wenn die zentrale Figur eigentlich ein erblindeter Regisseur ist. Dass Penelope Cruz schon länger so etwas wie seine Muse ist, ist weder unbekannt noch verwunderlich, aber so deutlich wie in diesem Film wurde die glühende Verehrung und das Verständnis für dieses Geschöpf meines Erachtens noch nie zuvor visualisiert. Außer vielleicht noch Woody Allen (as seen in Vicky Cristina Barcelona) kann einfach niemand die Cruz so inszenieren und hervorheben wie Almodovar und das geschieht hier in Perfektion. Sie ist der Mittelpunkt und die Seele des Films, der auf Almodovars vertrautem Schlachtfeld aus Liebe, Leidenschaft und Tod stattfindet und der sich gleichzeitig geschmeidigst in die Kategorie “Films about Filmmaking” einordnet.

Wertung: 8,5 von 10 raw cuts

New York, I Love You

An den letzten Stadtfilm aus der “Cities Of Love”-Franchise Paris, je t’aime (2006) kann ich mich nur so 3/8 erinnern, was normalerweise auf Mittelmaß hindeutet. Aber diejenigen Paris-Episödchen, die ich nicht komplett vergessen habe, müssen wohl gut genug gewesen sein, um mich Vorfreude auf die New York-Ausgabe empfinden zu lassen. Die Freude ließ dann jedenfalls sehr schnell nach und verwandelte sich alsbald in Verwirrung, dann Ärger, dann Langeweile und folglich wiederum Ärger. So viel musste diese Stadt schon erdulden (Terror, Schneesturm, Giuliani, …), hat sie da nicht wesentlich mehr verdient als diesen schnarchigen, ideenlosen Clusterfuck von einem Episodenfilm?

Gegen Ende erklingt Radioheads No Surprises, und das kann ja keinesfalls ironisch gemeint sein, passt aber auf das zuvor Gesehene recht gut: Der Film versucht so verzweifelt, etwas Besonderes zu sein, bemüht sich so verbissen um Eloquenz, Poesie, Witz und Lokalkolorit, dass ich fast Mitleid gehabt hätte angesichts seines Scheiterns. Fast, denn dann wird wieder wuselnde Stadtbewohnerschaft im Zeitraffer gezeigt, was sozusagen mein Fass zum Überlaufen bringt, weil damit die Tatsache, dass einem hier fast durchweg Geflügelhack von vorvorgestern als lecker frisches Sushi angedreht werden soll, nun nicht mal mehr versucht wird, zu verschleiern.

Wir wollen ja immer fair sein und so und deshalb soll auch des überschaubaren Positiven Erwähnung getan werden: Die “Dead Painter”-Episode von Fatih Akin ist nicht völlig für den Eimer, soll heißen: optisch top, erzählerisch so mittel. Aber es handelt sich ja auch um Fatih Akin und wenn der nicht aus der ganzen Mediokrität heraussticht, wer denn sonst? Hat man durchgehalten, wird man auch am Ende ein klein wenig entschädigt, denn das Segment mit dem zu Fuß gehenden alten Ehepaar ist dann endlich mal richtig gut, profitiert aber natürlich auch vom Vergleich mit den vorhergehenden 85 Minuten, währendderer einem der Film fast pausenlos ans Bein gepisst und dabei “Ist doch schön warm, oder?” gesäuselt hat.

Wenn man einem Film was auf’s Maul geben könnte, sähe Ethan Hawke heute ziemlich verbeult aus. Nichts gegen Ethan Hawke, aber lieber schaue ich mir eine Dieter Wedel-Verfilmung von Feuchtgebiete an, als solch stumpfsinnigem Anmachgeblubber zuzuhören, wie es hier radotiert wird, an einem besonders tiefen Tiefpunkt in dieser missratenen artsy-schmaltzy Schmierage, irreführend betitelt als New York, I Love You.

Wertung: 3 von 10 Kopfrasuren, again

Kulturecke (89)

Freitag, Februar 12th, 2010

Kate Nash: I Just Love You More
[via]

Dendemann: Stumpf ist Trumpf 3.0
(Vom Vintage verweht, 2010)

Yeasayer: The Children
(Odd Blood, 2010)

Air: So Light Is Her Footfall (Breakbot Remix)

Röyksopp: Tricky Tricky (No Kiss With Gloss Remix)

Short Review: Avatar, Daybreakers

Mittwoch, Februar 10th, 2010

Avatar

Was man von einem James Cameron erwarten konnte: Neue Maßstäbe und Perfektion, was Effekte und Filmtechnik betrifft. Hier: nicht nur die endgültige Legitimation und Etablierung des 3D-Kinos, sondern auch die gelungene Verschmelzung von CG und Schauspiel. Was nicht unbedingt zu erwarten war: Dass sich Plot und Figuren der Optik so sehr unterordnen wie es hier der Fall ist. Gut, ich sehe ein, dass man, wenn so eine Arschladung Asche und Zeit investiert wird wie bei Avatar, zwecks Risikominderung gewisse Zugeständnisse an die Masse macht. Aber alle Kritik ist natürlich dennoch berechtigt: Man weiß spätestens nach 20 Minuten, wie der Rest des Films verlaufen wird und sämtliche plot devices und unsubtile Messages sind exakt auf Position. (Andererseits: Ein Michael Bay bekommt ja nicht mal das hin.)

Wie stark man sich nun vom unoriginellen Handlungsmuster stören lässt, ist individuelle Entscheidung und/oder hängt von verbliebener Staunensfähigkeit ab. Denn hier sieht wirklich alles fantastisch aus und das Design sprüht vor liebevoller Gestaltung und Detailreichtum. James Cameron eben: denkt groß, arbeitet professionell, verliert nie seinen Cool und liefert dann ab wie sonst niemand. Momentan wiegt der hypnotische visuelle Eindruck die Mängel also noch locker auf, wie man auch am Erfolg sehen kann. Für die Ewigkeit wird das sicher nicht vorhalten, aber wen beim heiligen Fick interessiert das, wenn man sich gegenwärtig feinstem Eskapismus widmen kann.

Wertung: 8 von 10 players for the blue team

Daybreakers

Life’s a bitch and then you don’t die. 95% der Weltbevölkerung hat die Vampirseuche ereilt, Resthomosapienser werden eingefangen und in Blutfarmen nutzmenschgehalten. Doof nur für die neue Herrenrasse, dass die Blutreserven nunmehr knapp werden und die Substitutherstellung nicht vorankommt. (Da rastet man schnell mal aus, wenn’s nur noch fünfprozentigen Blutkaffee gibt.)

Der Film führt ein frisches, vielversprechendes Szenario ein. Waldbrände entstehen auf sehr interessante Weise, aufgrund Blutarmut zu monströsen Aggrosaugern degenerierte Viecher bedrohen die “zivilisierte” Vampirgesellschaft, Chrysler baut Autos für privilegiertes “Daylight Driving” und Vampire-Steve Jobs präsentiert das Apple iSuck (nicht wirklich, aber ich hätt’s schön gefunden). Leider wird mal wieder viel vom Potential verschenkt: Daybreakers erzeugt zwar stimmungsvolle Bilder, verzettelt sich aber doch zu sehr zwischen Drama, Äktschn und Sozialkommentar. Das wiegt nicht so schwer, dass es ins Ärgerliche geht, ist aber doch arg schade, wenn man ständig ahnt, wie gut es hätte sein können.

Wertung: 6,5 von 10 blood-deprived citizens