Archive for Dezember, 2009

Short Review: (500) Days Of Summer, 9

Dienstag, Dezember 29th, 2009

(500) Days Of Summer

Inhalt: 95 minutes of awesome.

“This is not a love story” warnt der Narrator sicherheitshalber zu Anfang. Ist es dann natürlich doch irgendwie, aber wer die übliche Hollywood-Schematik erwartet, sollte den Hinweis ernst nehmen und nach Hause gehen. Dann verpasst man allerdings nicht nur die beste Valentinsgrußkarte ever, sondern insgesamt eine melancholisch-urbane Heartbreak-Komödie.

Ich weiß nicht, ob man da so ein Generationending draus drehen kann und halte da generell auch wenig von, aber schon in den ersten fünf Minuten fühlte ich mich vom Gezeigten irgendwie unheimlich repräsentiert. Die Tatsache, dass ich in Zooey Deschanel eh schon sehr verliebt bin - wer auch nicht - trägt da natürlich zu bei. Ihre Präsenz und ihre feenhafte Ausstrahlung adeln einfach jeden Film, insbesondere diesen, und wer davon nicht rettunglos enchantiert wird, muss ein böser Mensch oder tot sein.

Der Film hatte mich aber schon bei der treffenden Einführung des Hauptcharakters, und die Liste toller Elemente erweitert sich konstant: Die sehr vertraute und charmante Art, wie Joseph Gordon-Levitt als verklärter Romantiker um seine vermutete Herzgeliebte herumschwirrt und sich zum Affen macht. Der bittere Reality-Check. Die achronologische Erzählweise. Der Humor. Und immer wieder die Musik. Die so erzeugte Gesamtchemie muss den Woody Allen-Vergleich durchaus nicht scheuen und Regisseur Marc Webb wird fortan nie wieder Musikvideos drehen müssen, wenn er dieses Niveau halten kann.

Wertung: 9 von 10 sad british pop songs

9

Inhalt: Apokalypse war gestern.

Die Faschisten haben es endgültig geschafft, die Welt in Schutt und Asche zu legen, courtesy of technischer Fortschritt. Belebte kleine Männlein müssen den letzten Kampf gegen die Maschine aufnehmen. Auch wenn sich hier ordentlich bei H.G. Wells, Terminator etc. bedient wird: Das Figuren- und Umgebungsdesign ist kreativ und überzeugend. Die Stimmung ist postapokalyptisch angemessen depressiv und die Inszenierung flott und kurzweilig. Trotzdem ist 9 nicht der ganz große Wurf geworden, denn auch die exquisite Optik kann die Mängel bei Tiefgang, Figuren und Handlung nicht verschleiern.

Wertung: 7 von 10 Tripods

Short Review: Paranormal Activity, Surrogates

Sonntag, Dezember 27th, 2009

Paranormal Activity

Inhalt: Being haunted sucks.

Wieso hat es 10 Jahre gedauert bis wieder jemand mit dem Konzept von The Blair Witch Project erfolgreich ist? (Nö, sowas wie Cloverfield zählt nicht.) Weil es nicht so einfach ist wie man sich das vorstellt, etwas zu simulieren, dessen Erfolg davon abhängt, dass es keine Sekunde lang simuliert aussehen darf. (Als Negativexempel siehe das sog. “Reality TV”.) Filmer Oren Peli hat das gerafft. Ebenso wichtig: Er hat er das Prinzip des effektiven Horrors verstanden, und ich wiederhole mich da gerne: Atmosphäre, tense, und nochmal Atmosphäre. Deshalb ist der sorgfältig konstruierte Paranormal Activity, lässt man sich darauf ein, ein so intensives Erlebnis (in einem Kino womöglich noch stärker) und die immense Gewinnspanne der Produktion ist dem Mann zu gönnen.

Wertung: 7 von 10 powder traps

Surrogates

Inhalt: In der Zukunft müssen wir alle nicht mehr das Haus verlassen und können in Ruhe fett und hässlich werden, weil wir alle unseren eigenen fernhirngesteuerten Cyborg haben. Thank you, science!

Wieso Bruce Willis’ Surrogat, wenn es es doch frei gestaltbar ist, aussieht wie sein schwuler Cousin aus den 80ern, ist nur eine der unbeantworteten Fragen der fiktiven Gesamtsituation. Wichtiger ist allerdings, dass hier haufenweise Potential verschenkt ist, weil lediglich routiniert die vorgestern gestrickte (löchrige) Plotsocke über die eigentlich interessante Grundidee gestülpt wird. Das Ergebnis ist deshalb zu vorhersehbar, weitgehend einfallslos und leidlich spannend.

Wertung: 5,5 von 10 Ersatzbefriedigungen

Kulturecke (84)

Donnerstag, Dezember 24th, 2009

The Beach Boys: The Man With All The Toys

Tom Waits: Christmas Card From A Hooker In Minneapolis

Ryuichi Sakamoto: Merry Christmas Mr. Lawrence

The Sonics: Don’t Believe In Christmas

Short Review: Away We Go, Moon

Freitag, Dezember 18th, 2009

Away We Go

Inhalt: Ortsungebundenes Paar lebt den Individualisten-Traum. Als unerwartet Nachwuchs ansteht, muss die Wohn- und Lebenssituation hinterfragt werden.

Wundert mich nicht, dass Sam Mendes seinen üblichen Rhythmus unterbricht und schon dieses Jahr mit einer neuen Arbeit um die Ecke kommt: Wer auf so ein Script stößt und es unverfilmt oder schlimmer, es den Dilettanten überlässt, dem müsste auch der ein oder andere Kratzer im kreativen Wirsing attestiert werden. Das Ergebnis schimmert im wohligen Look & Feel des Indiefilms und muss einfach ausschweifend gelobt werden: Away We Go wirkt wie ein versöhnliches Gegenstück zu American Beauty (zynisch-satirisch) und dem ebenfalls sehr gelungenen Revolutionary Road (pessimistisch-realistisch). Das Scheitern menschlicher Beziehungen im schikanösen gesellschaftlichen Gefüge rückt hier aus dem Fokus, denn mit den beiden hochsympathischen, überzeugendst gespielten Protagonisten ist eigentlich alles in Ordnung. Nur müssen sie das erst noch mal neu herausfinden.

Von nachvollziehbarem Zweifel und Verunsicherung ob der Fortpflanzungssituation getrieben begeben sie sich on the road durch die US und A und suchen bei Verwandten und Freunden nach einem neuen Wohnsitz und Lebensorientierung. Das ist sehr amüsant, bisweilen absurd und entbehrt natürlich nicht einem üblichen Maß an Tragik. Denn auch Esoterik-Deppen und White Trash-Anwärter dürfen ungehindert ihre Kinder verkorksen, Patentrezepte und Garantien gibt es nicht. Dabei haben die beiden Helden bereits die nötige Panzerung gegen all die Knechtungen des Daseins: Neben Humor ist das vor allem die tiefe Zuneigung füreinander, von John Krasinski und Maya Rudolph ständig glaubhaft vermittelt, und von Mendes treffend inszeniert.

Wie schon erwähnt, verlagert sich die zwischenmenschliche und soziale Tragik eher in den Hintergrund. Man beachte beispielsweise die aussagekräftige Szene auf dem Parkplatz: Mit Hilfe solch klug komponierter Bilder gelingen Mendes Einstellungen von narrativer Tiefenschärfe, die den komischen Vordergrund brechen und dagegen eine unbehagliche Wirkung erzeugen. Die exquisit besetzten Nebenrollen und das Geklampfe von Songwriter Alexi Murdoch machen das Ding rund. Go see it.

Wertung: 9 von 10 tilted uteruses

Moon

Inhalt: In der Zukunft decken wir unseren Energiebedarf mit Hilfe von Zeugs, das voll automatisiert auf dem Mond abgebaut wird. Fast.

Dass Energiekonzerne zu jeder Sauerei fähig sind, ahnten wir bereits. Dieses cineastische Kleinod zeigt aber auch, dass gute Science Fiction (in space!) nicht unbedingt Lichtjahre entfernt spielen muss und auch ohne gigantöses Budget und Ka-boom auskommt. Sam Rockwell liefert eine brillante Soloperformance in einem existentialistischen, sich schlau entfaltendem Plot in sehr dichter, frostiger Atmosphäre. Moon gehört zu den Filmen, die dieses Jahr sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdienen als sie wahrscheinlich bekommen. Unbedingt empfehlenswert.

Wertung: 9 von 10 hilfsbereite Roboter

Short Review: Bakjwi (Thirst), Mary And Max

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

Bakjwi (Thirst)

Inhalt: Katholischer Priester fängt sich was ein.

Wenn ich mal kurz darüber nachdenke, gibt es aktuell nur vier lebendige Regisseure, von denen ich wirklich alles feiere. Einer davon ist Chan-wook Park. Das koreanische Übertalent liefert seit Jahren konstant höchste Qualität ab. Nach Abschluss seiner Rache-Trilogie war sein Letztling Saibogujiman kwenchana (I’m A Cyborg, But That’s OK) eine der besten und originellsten Romanzen, die ich seit 1957 gesehen habe. Nun nimmt er sich des Übernatürlichen an und bewegt sich ein Stück weg von der Craziness, dafür hin zur obskuren Tragödie. Zwar erfindet er den Vampirmythos nicht neu - muss ja auch nicht - aber sein Stil, seine unkonventionelle Erzählweise und seine Bildersprache sind unverändert grandios, ebenso die Darsteller. Fazit: Thirst ist erfrischend, auf den Punkt genau visualisiert und um mal wieder die Beastie Boys zu zitieren: finger lickin’ good, y’all.

Wertung: 9 von 10 blisters in the sun

Mary And Max

Inhalt: Die Geschichte einer aus Zufall entstehenden australisch-amerikanischen Brieffreundschaft.

Adam Elliot bekam 2004 für seinen Knet-Short Harvie Krumpet den Oscar und heuer beweist er mit er seinem ersten Langfilm, dass das absolut kein Glückstreffer war. Der Mann liebt das Freaktum und auch hier stehen zwei Weirdos im Mittelpunkt, aus deren Interaktion eine Tragikomödie im besten Sinne entsteht: Sehr schwarz, traurig und dabei höchst witzig, ohne je auch nur einmal seine Figuren lächerlich zu machen. Die farblich und kompositorisch ausgefeilte Stop Motion-Technik passt hierzu perfekt und die präzise kneterische Detailtreue sorgt dafür, dass man alle 10 Sekunden auf die Pausetaste hauen will, um keine Winzigkeit zu verpassen (man achte z.B. mal auf die Buchtitel). Man gebe Elliot ab sofort Narrenfreiheit und unlimitiertes Budget, die Welt braucht mehr davon.

Wertung: 9 von 10 chocolate hotdogs