Archive for September, 2009

Kulturecke (79)

Mittwoch, September 30th, 2009

Magic Wands: Warrior
(Magic Love & Dreams EP, 2009)

Arctic Monkeys: Cornerstone
(Humbug, 2009)

Jamie T: Sticks ‘n’ Stones
(Kings & Queens, 2009)

Dial M For Murder!: Oh No!
(Fiction Of Her Dreams, 2009)

Foo Fighters: Wheels
(Greatest Hits, 2009)

Short Review: The Proposal, Drag Me To Hell

Dienstag, September 29th, 2009

The Proposal

Disclaimer: Jawoll, ich seh mir ständig gelegentlich RomComs an und zwar gerne, sofern ich ordentlich in meine Schnapspralinenpackung heulen mit etwas Kreativität und guten Darstellern rechnen kann. Natürlich laufen die meisten nach Schablone ab, aber darüber kann ich mit Freuden hinwegsehen, wenn der Rest passt.

Inhalt: Sandra Bullock ist als erfolgreicher Bürodrache in einem großen Verlagshaus gefürchtet, unbeliebt und obendrein Kanadierin. Dummerweise droht ihr plötzlich die Ausweisung, weshalb sie kurzerhand ihren Assistenten mehr oder weniger zwingt, eine Verlobung vorzutäuschen. Es gilt, über’s Wochenende den Betrug der Verwandtschaft sowie der Immigrationsbehörde glaubhaft zu machen.

The Proposal bleibt leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das liegt zum Teil an der mangelnden Charakterzeichnung: Die beiden Hauptdarsteller haben keine echten gemeinsamen Momente, der Romanzenpart wirkt doch arg contrived und daher unglaubwürdig. Ein unerwünschter Nebeneffekt der Tatsache, dass natürlich Sandra Bullock hier die eigentliche Protagonistin ist, die eine Läuterung zu erfahren hat. Das kommt wiederum dem Comedypart zugute, denn auch hier muss Ryan Reynolds beiseite treten und sich von Sandra Bullock in den Sack stecken lassen. Sie ist auch der Hauptgrund dafür, - zusammen mit den gut besetzten Nebenrollen und einigen netten Einfällen (z.B. Szene: Hund vs Adler) - dass ich dem Film gegenüber dann doch milde gestimmt bin. Wenn die kühle Karrieristin mitten im alaskischen Wald genötigt wird, herumzuchanten und dann anfängt zu rappen, kullern zumindest bei mir die Lachzähren.

Wertung: 6 von 10 sweat drop down my balls (to all these bitches crawl)

Drag Me To Hell

Inhalt: Alison Lohman will befördert werden und verweigert deshalb old gypsy bitch eine Krediterweiterung, worauf diese ihr Haus räumen muss. Aber you don’t fuck with Zigeuner-Voodoo: Sie hetzt der Kreditsachbearbeiterin einen Dämon auf den Hals, der sie in die Hölle befördern soll.

Sam Raimi, back in business: Ich bin kurz davor, ihm Spider-Man 3 zu verzeihen, denn hier kehrt er im besten Sinne zu seinen Wurzeln zurück und verpasst dem torture porn-geplagten Horrorfan eine Mischung aus Fun und Terror, wie eben nur er das vermag. In Drag Me To Hell geht es zynischer, böser, ernsthafter zu als zu Evil Dead-Zeiten, aber auch durchdachter und weit professioneller. Eben dadurch, dass er die Albernheiten und die Überhöhungen weglässt und Grusel und Humor schlau aufeinander abstimmt, ohne je zu langweilen, hebt er seinen Stil auf ein neues Level. Dennoch muss auf Raimi-typischen Slapstick, eine Portion Ekelkrams und wirksame, exakt getimte jump scenes nicht verzichtet werden. Auch wenn die International Roma Union das etwas anders sehen dürfte: Sam, congratulations & hail to the king.

Wertung: 9 von 10 Ritualschlachtungen

Short Review: Star Trek, Monsters vs Aliens

Sonntag, September 27th, 2009

Oft (read: nie) werde ich gefragt: Bob, warum bist’n immer so negativ? Schreib doch mal was Erfreuliches. Also gut, ab jetzt wird alles verwurstet, was mir unter die Augenringe kommt. Ich hab ja Zeit, das ist das tolle am Sozialleichendasein.

Star Trek

Inhalt: Angepisste Romulaner kommen per Wurmloch aus der Zukunft, randalieren übelst, töten dabei James T. Kirks Vater, pulverisieren Vulcan und schaffen so eine parallele Realität, in der die Geschichte von Spock, Kirk und der restlichen Crew neu geschrieben werden kann.

Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wann ich mich zuletzt dermaßen über einen Blockbuster gefreut habe. Ich bin alles andere als ein Trekkie, kenne mich aber ausreichend im Trek-Universum aus um zu wissen, dass es wohl keine andere Franchise gibt, die einen zeitgemäßen Reboot derart nötig, aber auch verdient hat. Die letzten Star Trek-Filme waren alle scheiße (außer vielleicht noch First Contact) und die älteren “angestaubt” zu nennen, wäre euphemistisch.

Regisseur J.J. Abrams (Lost) erweist sich hier als genau der richtige Mann und schafft das Kunststück, alte Fans und unbelastetes Publikum gleichermaßen zu befriedigen. Bei dem Riesenhaufen an Problematik, der sich daraus ergibt, nicht zu scheitern, ist durchaus eine Leistung. Um frisch ansetzen zu können, ohne mit der ursprünglichen Reihe in Konflikt zu geraten, ist der Parallele-Welten-Kniff so simpel und trekkonform wie perfekt: Die bekannten Charaktere der ursprünglichen Crew sind alle noch da, aber trotzdem nicht die alten, die neue Besetzung kann die Charaktere neu beleben. Was sie auch tun: Chris Pine ist ein unverbrauchtes Gesicht und als junger, doch alternativer Kirk perfekt. Ebenso Zachary Quinto (Heroes), bei dem ich zunächst Zweifel hatte, der sich aber als Spock-Idealbesetzung herausstellt. Und Simon Pegg als Chefbeamer Montgomery Scott zu casten will ich mal kühn als Geniestreich bezeichnen.

Diese gelungene Reanimation eines verwesenden Stücks Populärkultur macht alles richtig: Das Tempo bleibt durchgehend im oberen Grenzbereich, der Humor ist wohldosiert und wirksam (hier z.B. auch toll: Chekov vs Bordcomputer). Den Charakteren wird exakt so viel Aufmerksamkeit gewidmet, wie es für den Start einer neuen Reihe nötig ist, ohne auf die Bremse treten zu müssen. Es wird sich weder in hohler Tragik noch in überflüssigen Subplots verheddert; der Cast ist makellos (inkl. Leonard Nimoy-Gastauftritt) und für die Entscheidung, Kirk in diesem Film ein love interest zu verweigern, möchte ich den Verantwortlichen am liebsten noch mal persönlich den Rocksaum küssen. Von Abrams lernen, heißt siegen lernen (I’m pointing at you, Michael Bay) : Er verkauft seine Zuschauer nicht für blöd und sich als den geilsten, dem man jeglichen Schwachsinn durchgehen lässt, sondern zeigt, wie Science Fiction-Unterhaltung im Jahre 2009 sein kann, wenn man nicht nur auf volle Kassen schielt und sich auf seinen Effekten ausruht.

Wertung: 9 von 10 ‘Red Matter’-Tropfen

Monsters vs Aliens

Inhalt: Der Titel sagt eigentlich schon alles: Eine vom Militär unter Verschluss gehaltene Bande Superfreaks kloppt sich zwecks Weltrettung mit Alien-Invasoren.

Man bekommt hier genau das was man erwartet: Kurzweilige, flotte Animationskeilerei plus Standard-Message, die aber nicht stört. Für den nötigen Humor sorgen die üblichen Anspielungen und launige Genreparodistik, hier speziell auf Science Fiction-Krams gemünzt. Genial: Hugh Laurie als Kakerlaken-Mad Scientist und Seth Rogen als hirnlose Gallertmasse B.O.B. Ich verbürge mich natürlich nur für die Originalversion, wer hier deutsch synchronisiert kuckt, ist selber schuld.

Wertung: 7 von 10 Missing Links

I like: Muse vs Italian TV

Samstag, September 26th, 2009

Wäre ich Musiker, empfände ich es als Beschämung und Leute-Verarschung, mit meinem Instrument herumzuwedeln und/oder Mundbewegungen zu machen, während meine Musik vom Band läuft. Die meisten ernsthaften Künstler sehen das glücklicherweise ähnlich. Nun kann es natürlich vorkommen, dass vertragliche Gründe, Verdunkelung oder wasauchimmer einen vor die Entscheidung stellen, eine Auftritt einfach sein zu lassen, oder zähneknirschend bei dem Theater mitzuspielen. Oder man macht es wie Muse und sich einen Spaß daraus, tauscht einfach untereinander die Instrumente und schließt Wetten ab, wer als Erster lachen muss. Man beachte vor allem Sänger Matt Bellamy am Schlagzeug, der sich sichtlich begeistert einen wegtrommelt.

Stereogum:

Invited to do “Uprising” on Quelli Che Il Calcio, Muse were told they’d have to lip-sync. So Matt Bellamy switched places with drummer Dominic Howard, and bassist Christopher Wolstenholme “played” guitar and keys. Then lead singer Dom was interviewed. 

Als Fernsehwissenschaftler hat dieses Ereignis bei mir natürlich sofort die Glocken läuten lassen. Die Älteren™ werden sich erinnern: 1995 war Dieter Thomas Heck absolut nicht amused, als Stefan Raab bei der Goldenen Stimmgabel, statt den Playback-Quatsch mitzumachen, dümmlich ins Mikro grinste und Faxen mit dem Publikum machte. Ich habe sogar ein Video aufgetrieben, aber Vorsicht: Es handelt sich um einen Beitrag aus einer dieser hyperaktiven RTL-Shows, in der irgendwelche erfolglosen Menschen vor Greenscreens sitzen und in ihrer Ahnungslosigkeit das eigentliche Bildmaterial mit unqualifizierten Äußerungen aufs Überflüssigste totkommentieren. Daher sei gewarnt: Das Ansehen von Kai Ebel und Mola Adebisi kann nicht rückgängig gemacht werden. Anfälle von Blitz-ADS bitte bei RTL melden. (Das Interessante kommt ab 01:42)

Kulturecke (78)

Dienstag, September 22nd, 2009

Kid Cudi feat. MGMT & Ratatat: Pursuit Of Happiness
(Man On The Moon: The End Of Day, 2009)

La Roux: I’m Not Your Toy (Data Remix)

Wolfmother: New Moon Rising
(Cosmic Egg, 2009)

Miss Platnum: She Moved In
(The Sweetest Hangover, 2009)

Magic Wands: Kiss Me Dead
(Magic Love & Dreams EP, 2009)