Archive for April, 2009

Lately seen bullshit: Twilight

Montag, April 27th, 2009

Also gut Film, du hast es so gewollt. Ich bin ja kein notorischer Ausrastmüsser, ich kann auch entspannt bleiben angesichts overhypten Zeugs für die Zielgruppe. Vielleicht ist es ja halb so schlimm, dachte ich. Da kann man ja drüber stehen, ein mittelmäßiger Film mehr, was soll’s. Dann kommt aber Twilight mit seinem bumsbekloppten Dilettantismus, seiner Ideenlosigkeit und fragwürdigen Propaganda dermaßen eindrucksvoll dämlich um die Ecke, dass Ignoranz als Konzept nicht mehr in Frage kommt. Da ist so viel verbockt, dass die sprichwörtliche Kuhhaut wahrhaft nicht auszureichen scheint.

Ist man nicht 12, weiblich und grenzdebil, wird einem schnell klar, wieso Twilight Pavianklöten suckt. Das fängt bei der Handlung an und hört bei den Darstellern noch lange nicht auf. Zum besseren Verständnis schadet ein wenig Hintergrundwissen nicht: Der Film basiert auf dem ersten Teil einer vierteiligen Jugendbuchreihe der dicken Mormonin Stephenie Meyer. Ich zitiere nun ausnahmsweise mal Die Welt, welche dereinst schrub, es handele sich hierbei um “ein 1500 Seiten langes […] Plädoyer für den vorehelichen Triebverzicht”. Jugendlichen solcherlei reaktionären Religionsquark, verpackt in simple Handlungsstrukturen, Abteilung boy meets girl + Teeniekram + Vampirismus, unterjubeln zu wollen, kann man der Autorin wohl getrost unterstellen. Was sie damit erreicht, ist eine andere Frage. Darum soll es auch nicht gehen; kommerziell erfolgreich ist die Zeilenschinderin jedenfalls. Nach Lektüre von Kurzinhalten der Bücher kann ich mir das zwar immer noch nicht erklären, habe aber das dringende Bedürfnis, mich bei einem Woody Allen-Filmmarathon mit Merlot zu fluten.

Diese Informationen seien als Vorwissen gegeben, der Fokus soll hier aber natürlich auf der Verfilmung liegen. Die ist schon schlimm genug. Die Mittel sind ebenso simpel und plump wie anscheinend in der Vorlage. Meyer tauft ihre Protagonistin völlig ironiefrei ‘Isabella Swan’. Jene möchte aber selbstverständlich nur Bella genannt werden. Bella Swan. Wer jetzt schon schreiend von hinnen rennen will, hat mein volles Verständnis. So vollkommen sinn- und humorlos sprechende Namen einzusetzen, das muss man sich auch erst mal trauen. Ich traue mich auch und nenne die Hauptfigur mal lieber - und wie ich finde, weitaus treffender - Emosine Dumpfback.

Emosine Dumpfback, Scheidungskind, hat zwei Probleme: Zum einen ihre vollkommene Charakterlosigkeit, zum anderen muss sie aufgrund irrelevanter Umstände in ein Hinterwaldkaff umziehen, wo ihr Vater den Polizeischeff mimt und vertraglich verplichtet mindestens 25 mal pro Tag grimmig kucken muss. An der dortigen Schule laufen neben überflüssigen Nebenfiguren auch einige seltsame Gestalten herum:

Es handelt sich um die Waltons Cullens, freundliche Vampire aus der Nachbarschaft. Besondere Eigenschaften: Verfallen beim Fummeln schnell mal in gefährlichen Blutrausch, ernähren sich netterweise menschenfrei, verstecken sich in der Öffentlichkeit, fangen im Sonnenlicht an zu glitzern. Wait, what? Jep, bei Frau Meyer sind Vampire so: Sie glitzern und funkeln und strahlen in der Sonne wie trefflich von Meisterhand geschliffene Gemmen, statt fein zu Briketts zu verkokeln, wie sich das traditionell gehört. Aus diesem Grund lungern sie auch im Bundesstaat Washington rum, “under a near constant cover of clouds and rain.” Im Twilight, jawoll. Die als Adoptivkinder des örtlichen Obervampirs/Arztes Dr. Snob Cullen getarnten Blutsauger besuchen also zum achthundertsten Mal oder so die High School und reißen ab und an ein Waldtier. Spannend, so ein Vampirleben. Introducing zweite Hauptfigur: Edward Cullen, der nicht nur vampiröse Blässe besitzt, sondern auch noch Gedanken lesen kann, und bei dessen Anblick Emosine natürlich sofort feucht emotional durchgeschüttelt wird.

Im Folgenden versucht Regisseurin Catherine Hardwicke die handlungstragende Romanze, das Auftauchen von Antagonisten, und die allgemeine Stupidität des Geschehens unter einen Hut zu bringen. Obwohl sie bei den spärlichen Actionszenen weitgehend versagt, ist das Scheitern des Ganzen nicht primär ihr Verdienst. Sie arbeitet größtenteils routiniert mit dem vorhandenen Material und reißt einiges heraus, was das Skript hereingerissen hat. Was man sich allerdings bei der musikalischen Untermalung gedacht hat, muss mir noch mal jemand erklären: Filmmusik und Gezeigtes befinden sich meist in höchst seltsamer Konkurrenz. Beispielsweise: Es findet ein eigentlich wichtiger Dialog statt und die Musik scheint zu sagen: “Laangweilig! Lass ma weiter machen, hü hott!”

Das Hauptproblem findet sich aber in der lahmen, logikbefreiten Handlung. Wenn ein Plot dermaßen stark auf eine Liebesgeschichte aufbaut, dann muss diese auch entsprechend erzählt werden. Er rennt ihr hinterher, weil sie gut riecht und sein Telepathieding bei ihr nicht funktioniert. Das ist so arbiträr wie simpel. Wieso will Emosine ausgerechnet seinetwegen ihr menschliches Dasein aufgeben? Weil er glitzert und sie stalkt? Eingebaute, obskure Vampir-Anziehungskraft? Gut, dass sechzehnjährige Backfische auch mal flatterhaft sind und Kurzschlussentscheidungen fällen - geschenkt. Sie will aber ohne Not zur Untoten werden, nur damit sie gefahrlos poppen für immer immerimmer mit jemandem zusammen sein kann, den sie gerade erst getroffen hat? Es geht hier schließlich nicht um eine gefühlte Ewigkeit, sondern um ääh..potentiell sehr, sehr lange zumindest. Grundlage dafür? Fehlanzeige. Tiefgang? Nö, lass ma’. Emotionale Bindung? Ach was. Statt dessen völlig sinnlose Szenen wie jene, in der die ‘Vampirfamilie’, durch den Wald rasend und springend, Baseball spielt. So reihen sich im Laufe des Films Subplots an doofe Dialoge, ohne, dass das Gesamtbild merklich an Substanz gewinnt. Featuring mal wieder eine meiner liebsten schwachsinnigen Unsitten im Film: Die fabulöse ‘Was geschah vor eineinhalb Minuten?’-Rückblende! Diese Abartigkeit ist aber immerhin stets ein schöner Indikator, für wie blöd man sein Publikum hält.

Auch sehr schön: Emosine besucht die Vampirsippe in deren Domizil. Das Szenario mutiert plötzlich zu einer Mischung aus Cosby Show und Manson Family. Die ‘Eltern’ geben sich gastfreundlich, Vampirin Rosalie zickt rum und Frischvampir Jasper kann sein dringendes Bedürfnis, Emosine zu essen (welches sich hauptsächlich durch dämliches Starren äußert), nur sehr schwer zurückhalten. Soll das nun bedrohlich, lustig, seltsam oder alles zugleich sein? Dümmlich und überflüssig ist es schon mal. Emosines Reaktion ist naheliegend: Sie tut so, als ginge sie das alles nichts an und denkt an ein Pony.

Damit wären wir auch schon beim nächsten Problem: Hauptdarstellerin Kristen Stewart verfügt über die darstellerische Reichweite von Steven Seagals Mumie. Um Heidi Klum zu zitieren: Gutes Aussehen reicht nicht. Robert Pattinson als Edward besitzt ausreichend Charisma und Fähigkeit und wirft hier sozusagen seine Perlen vor die Säue. Ist ja auch nicht seine Schuld, dass der Stoff suckt. Seine Partnerin hingegen … Ich will ja wirklich nicht ins Detail gehen, aber ich gehe mal ins Detail:

Normal:

Knapp dem Tode entronnen:

Leicht misstrauisch:

Jetzt aber ernsthaft misstrauisch:

Furcht, den örtlichen town rapists in die Hände zu fallen:

Immer noch misstrauisch, aber interessiert:

Epiphanien bahnen sich an:

Die totale Erkenntnis (übrigens nach einer an Ridikülität kaum zu überbietenden Google-Recherche):

Keine Angst:

Tierisch Angst:

Vielleicht ist das alles aber auch einfach zu subtil für meinen Grobsinn, Frau Stewart hat nicht bei ‘America’s Next Top Zombie’ gewonnen und war die beste auf der Schauspielschule, will mich da nicht festnageln lassen.

Letzlich versucht sich Twilight auf mehreren Ebenen, versagt aber durchgehend: Die Liebeshandlung ist oberflächlich und unglaubwürdig. Der Vampirhintergrund ist unausgegoren, lachhaft und hat sichtbar Alibifunktion. Von Originalität keine Spur. Als es gegen Ende droht, doch noch spannend zu werden, wird kurzerhand mit Stumpfsinn gegengearbeitet. Der Vampirhaufen bekommt es mit zwei ‘bösen Vampiren’ zu tun, die aus herbeikonstruierten Gründen hinter Emosine her sind. Anstatt denen gleich mal in den Arsch zu treten, geben die Cullens ihren größten Vorteil, ihre zahlenmäßige Überlegenheit, unverzüglich auf und trennen sich, so dass erst mal noch eine blödsinnige, langatmige Flucht folgen kann. 200 Jahre auf Erden rumgelungert, aber ey: there’s still no cure for stupidity.

Bleibt noch die ‘No Fucking’-Botschaft. Mir will nicht so recht einleuchten, wie Jugendliche nun dazu bekehrt werden sollen, keine vorehelichen Sauereien zu machen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Nichts gegen eine Bemühung, inmitten der übersexualisierten Gesellschaft einen Gang runterzuschalten und Jugendlichen, sagen wir mal, ‘harmlosere’ Perspektiven zu vermitteln. Aber aus der Religionsecke und dann noch mit der Vampirkeule? Ohne mich. Wiederum kann ich nicht über die literarische Vorlage urteilen. Aber wenn es in Twilight etwas in der Richtung geben sollte, hab ich nicht gerafft, wie die Filmsituation in irgendeiner Form auf die Realität von irgendjemandem übertragbar wäre. Ich lasse mir das aber auch gerne noch mal von Klügeren erläutern.

Fazit: Dieser auf hip-romantisch getrimmte Endschmutz täuscht Tiefe und Gehalt vor, ist aber nur ein seichtes Arschfest der Langeweile, wobei der Vampirmythos so unoriginell wie aufgesetzt daherkommt. Ich hab schon in einem Tamagotchi mehr Charakterentwicklung gesehen. Zieht man das Übernatürliche ab, bleibt eine Folge Christen-GZSZ, bei der mündige Zuschauer sich zünftig verarscht fühlen dürften.

Wertung: Ich vergebe zwei von 10 möglichen ‘True love waits’-Medaillen.



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Kulturecke (66)

Samstag, April 25th, 2009

Das neue Eminem-Video hat (unter anderem) Star Trek, Winehouse, und Kardashians Arsch:

Eminem: We Made You
(Relapse, 2009)

Noch mehr neuer Shitz:

Kasabian: Vlad The Impaler
(The West Ryder Pauper Lunatic Asylum, 2009)

Maximo Park: The Kids Are Sick Again
(Quicken The Heart, 2009)

Marilyn Manson: We’re From America
(The High End Of Low, 2009)

Coming next: Twilight
Word! ;)

2009 = Brüno Year

Donnerstag, April 9th, 2009

Nach Ali G und Borat bekommt diesen Sommer die dritte Figur von Top-Komiker Sacha Baron Cohen ihren Leinwandauftritt - und wenn das mal nicht der Hammer wird:

Brüno früher: Spring Break (aus der Ali G Show):

Klassiker (19)

Dienstag, April 7th, 2009

Heute: Der Mittelteil von Dr. Schiwago