Kulturecke (88)

Februar 5th, 2010

These New Puritans: Attack Music
(Hidden, 2010)

St. Vincent: Laughing With A Mouth Of Blood
(Actor, 2009)

Shout Out Louds: Fall Hard
(Work, 2010)

White Rabbits: Percussion Gun
(It’s Frightening, 2009)

Sébastien Tellier: Divine (Danger Remix)

Short Review: 2012, The Princess And The Frog

Januar 30th, 2010

2012

Inhalt: That’s great, it starts with an earthquake, birds and snakes, an aeroplane (…)

Filme von Roland Emmerich sind immer sehr erfreulich für den Bewerter, da leicht auf der Emmerich-Skala zu bewerten. Also zum Beispiel: Hmm, recht gut für einen Emmerich-Film (The Patriot). Oder: Hui, ziemlich scheiße, sogar für einen Emmerich-Film (10,000 BC). 2012 befindet sich dementsprechend irgendwo im Mittelfeld. Die Zerstörungsorgie ist allerliebstes Augenfutter, nicht übermäßig ernsthaft vorgetragen und von angemessenem Bombast. Der Rest besteht selbstverständlich aus dem typischen Emmerich-Mix aus flachen Figuren, verkrampfter Tragik, lachhaften Dialogen und haarsträubend konstruierten Handlungsmomenten. Bonuspunkte gehen an Amanda Peet, die es fertig bringt, mit relativ wenig Screentime maximal zu nerven. Whatevs: Immerhin gibt’s einige bissige Kommentare und letztendlich überwiegt der Fun. “Style at the expense of content” ist ja auch ein Camp-Motiv und in diese Ecke darf man den guten Roland wohl ein Stückchen weit schieben. So betrachtet kann auch eine derartige Unverfrorenheit, drei mal in Folge die gleiche Situation “Wir müssen jetzt aber mal sehr fix mit dem Flugzeug abheben” zu bringen, nicht nur verziehen, sondern gar gefeiert werden.

Wertung: 6 von 10 ersaufende Tibeter

The Princess And The Frog

Inhalt: Weniger Adel, dafür umso mehr Reptilien, Amphibien, Sümpfe und Voodoo.

Oh Schreck. Den Schlichtglückpropagandisten bei Disney fällt nun endgültig nichts mehr ein und sie packen noch mal verstaubte Prinzessinnengrütze aus der Kiste. Könnte man zumindest leicht annehmen, denn mit Disney-Animationen (nicht zu verwechseln mit dem Pixar-Zeugs!) geht es schon sehr lange bergab. Oder will hier jemand behaupten, dass seit Beauty And The Beast noch mal was wirklich gutes rumgekommen ist? Gut, vielleicht noch Lilo & Stitch, aber der Rest besteht ja wohl aus dummer Scheiße, auf deren Gipfel The Lion King thront, und öden Direct-to-DVD-Sequels, for cashing in.

Was hab ich mich also gefreut, als sich The Princess And The Frog dann doch als absolut gelungen entpuppte: Die farbenfrohe Old school-Animation wirkt sehr erfrischend und auch sonst findet man zurück zu alten Qualitäten. Die Figuren taugen endlich mal wieder was, der Humor passt, die Geschichte ist warmherzig und angereichert mit viel klassischem Slapstick. Die Songs - jawoll, es gibt sie wieder - fügen sich perfekt ein und sind überaus gelungen, und wenn ICH sowas von Disney-Musik behaupte, dann sagt das einiges. Hier kommt dem Film sein Schauplatz zugute: Angesiedelt in New Orleans, back in the days, lässt man es angemessen grooven und jazzen und den Kopf wippen. Überhaupt wird das ganze Südstaatenflair sehr stimmig und lustvoll zelebriert. (Was davon in der deutschen Fassung über bleibt, ist wie immer eine andere Frage.) Dabei muss man natürlich im Auge behalten, dass hier primär auf ein junges Publikum abgezielt wird. Wie gut ein Film dieser Kategorie ist, kann man immer danach beurteilen, ob er auch dem sogenannten Erwachsenen gefällt, und das ist hier eindeutig der Fall.

Wertung: 8,5 von 10 fun facts about voodoo

I knew it: Super Mario Bros. 3 never happened

Januar 29th, 2010

5 Second Movies: Transformers: Revenge Of The Fallen

Januar 26th, 2010

Alternativtitel: James Cameron’s Transformers

Short Review: The Invention Of Lying, Law Abiding Citizen

Januar 24th, 2010

The Invention Of Lying

Inhalt: Wenn man der einzige ist, der lügen kann, bringt das gewisse Vorteile.

Bei Geschichten in alternativen Welten wird bestenfalls der Perspektivwechsel genutzt um Problematiken der “echten” Welt zu verhandeln. Das geschieht hier auch, funktioniert aber nur bedingt. Grund dafür ist natürlich einerseits die kaum ganzheitlich zu fassenden komplexen Folgen, die sich aus der Voraussetzung ergeben, andererseits - wie so oft - der allzu unausgegorene Romanzenanteil. Der Sachverhalt “Ich heirate lieber den Idioten, weil mir Äußerlichkeiten über alles gehen” ist ja nun auch für diese Alternativwelt nicht sonderlich originell. Der Unterschied besteht darin, dass dort jedermanns Charakterlosigkeit offenliegt. Nicht lügen können heißt hier nämlich auch: nichts verschweigen können und deshalb haut jeder jedem sofort alles ungefiltert und vollständig an den Kopp. Dergestalt distanzlose Umgangsformen allein tragen gagtechnisch nicht sehr weit, aber Comedyprofi Ricky Gervais gibt sich erwartbar keine Blöße und hat noch einiges an Ideen zu bieten. Am besten funktioniert natürlich die “Realitätsparodie”, wenn beispielweise ein ehrlicher Coke-Werbespot gezeigt wird, oder das Schild am Altersheim sagt: “A sad place for hopeless old people”. Großartig wird es, wenn der Protagonist qua Lügensfähigkeit zum Propheten wird, einen “man in the sky” erfindet und die Welt ihm jeden Blödfug abkauft. Fazit: Trotz Mängeln ist The Invention Of Lying witzig genug um eine Empfehlung auszusprechen, für Gervais-Freunde sowieso.

Wertung: 6,5 von 10 Gebotspizzaschachteln

Law Abiding Citizen

Inhalt: Unziviler Ungehorsam.

Ich bin mal wieder gespalten. Zunächst kommt hier jede Menge Freude auf: Das twistreiche build-up ist vorbildlich, Regisseur F. Gary Gray macht auch visuell alles richtig und dass ich Fan vom immer satt abliefernden Gerard Butler bin, dürfte mittlerweile durchgesickert sein. Mir ein Tränchen zerdrückend muss ich aber doch ein wenig motzen.

Erstes Problem des Films, freilich nicht ruinös, muss aber erwähnt werden: Jamie Foxx. Nordpolhafte Coolness ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, reicht aber in den wenigsten Fällen aus und geht hier fast nach hinten los. Mit Vergleichzwangsöl im Füller könnte man ihn schauspielkunstweise als den schwarzen Til Schweiger bezeichnen. (Minus die Coolness.) Umso triumphaler ist dagegen sein Antagonist: Während das Tüftelgenie sich comichaft zum regelrechten Supervillain entfaltet, lässt er good ol’ Charles Bronson wie einen stümpernden Butterschieber aussehen. Man erwischt sich immer wieder dabei, ihm beim Morden und Sengen zuzujubeln. Kommt ja nicht so oft vor. Aber da sind wir schon beim zweiten Problem des Films: Gegen Ende fallen ihm diesbezüglich die Klöten ab. Das klingt jetzt vielleicht drastischer als ich es eigentlich meine und man kann das auch anders sehen, aber ein unkonventioneller, fieserer Ausgang wäre womöglich passender gewesen. Mal die Logikschwächen außer Acht gelassen: Hier und da noch ein paar Anpassungen im Konzept und der Punisher hätte in Rente gehen können. So bleibt Law Abiding Citizen zwar positiv, aber auch als verpasste Gelegenheit im Gedächtnis.

Wertung: 7,5 von 10 von Clausewitz-clusterfucks